Tag: 1. Februar 2026

  • Kindererziehungszeit: Das große Rentenproblem für Mitglieder im Versorgungswerk

    Kindererziehungszeit: Das große Rentenproblem für Mitglieder im Versorgungswerk

    Ein Beitrag von

    Werner Hoffmann
    www.Renten-Experte.de

    In Deutschland gibt es rund 90 berufsständische Versorgungswerke mit jeweils eigenen Satzungen. Einheitliche Regelungen existieren nicht. Gerade bei der Kindererziehungszeit unterscheiden sich die Bestimmungen erheblich: Während einzelne Versorgungswerke begrenzte Ausgleichsregelungen vorsehen, erkennen andere Kindererziehungszeiten gar nicht oder nur sehr eingeschränkt an. Für Betroffene kann das massive Auswirkungen auf die spätere Altersversorgung haben.

    Bedeutung der Kindererziehungszeiten

    In der gesetzlichen Rentenversicherung gelten Kindererziehungszeiten als Pflichtbeitragszeiten. Pro Kind werden bis zu drei Jahre angerechnet. Diese Zeiten erhöhen die Rentenansprüche und zählen für Wartezeiten, Erwerbsminderungsrenten und die Hinterbliebenenversorgung.

    Das Kernproblem der Versorgungswerke

    Berufsständische Versorgungswerke kennen diese Systematik meist nicht oder nur eingeschränkt. Die Folgen: Kindererziehungszeiten führen nicht automatisch zu Rentenansprüchen, beitragsfreie Zeiten entstehen nur, wenn die Satzung dies vorsieht, häufig gibt es keine oder nur minimale Rentengutschriften, und Mindest- oder Anwartschaftszeiten werden nicht erfüllt. Wer während der Kindererziehung keine oder reduzierte Beiträge zahlt, verliert Altersversorgungsansprüche, statt sie aufzubauen.

    Besonders betroffen: Frauen

    In der Praxis trifft dieses Defizit vor allem Frauen. Viele reduzieren ihre Berufstätigkeit oder pausieren, bleiben Mitglied im Versorgungswerk, bauen aber keine ausreichenden Rentenanwartschaften auf. Die finanziellen Folgen zeigen sich oft erst Jahrzehnte später.

    Häufige Fehlannahmen

    Ein weitverbreiteter Irrtum lautet: „Kindererziehungszeiten werden automatisch berücksichtigt.“
    Das gilt nur für die gesetzliche Rentenversicherung – nicht für Versorgungswerke. Auch eine parallele Absicherung entsteht nicht automatisch, sondern nur auf Antrag.

    Was Betroffene prüfen sollten

    Zu klären ist insbesondere, ob Kindererziehungszeiten in der gesetzlichen Rentenversicherung beantragt wurden, ob eine freiwillige oder versicherungspflichtige Absicherung besteht, welche Satzungsregelungen im eigenen Versorgungswerk gelten und ob Nachzahlungen oder freiwillige Beiträge möglich und wirtschaftlich sinnvoll sind.

    Resümee

    Die Kindererziehungszeit ist eine der größten strukturellen Schwachstellen der berufsständischen Altersversorgung. Wer sich allein auf sein Versorgungswerk verlässt, riskiert erhebliche Rentennachteile.

    Hilfreich bei der individuellen Abklärung kann ein unabhängiger Rentenberater sein, der sowohl die gesetzliche Rentenversicherung als auch die jeweilige Versorgungswerkssatzung kennt.

    www.Renten-Experte.de

    Auch ein strukturierter Notfallordner kann helfen, der alle wichtigen Unterlagen und einen Lebenslauf mit Tätigkeiten, Unterbrechungen und Erziehungszeiten enthält. Denn: Sind Kindererziehungszeiten für ein Kind in der gesetzlichen Rentenversicherung anerkannt und kommen zusätzlich zwei Jahre einer versicherungspflichtigen Beschäftigung – etwa durch einen Minijob – hinzu, kann die 60-monatige Wartezeit erfüllt werden. Dadurch entsteht ein eigenständiger Anspruch auf Regelaltersrente aus der gesetzlichen Rentenversicherung.

    www.not-fallordner.de

    #Versorgungswerk #Kindererziehung #Renten-Experte #Rentenlücke #Altersvorsorge

  • Kindererziehung kostet Rente – warum Eltern im Alter trotz Anerkennung verlieren

    Kindererziehung kostet Rente – warum Eltern im Alter trotz Anerkennung verlieren

    Ein Beitrag von

    Werner Hoffmann.

    Kindererziehung ist für das Funktionieren unserer Gesellschaft unverzichtbar – in der gesetzlichen Rente wird sie jedoch nur unzureichend honoriert.

    Zwar erkennt die Rentenversicherung Zeiten der Kindererziehung an, doch der tatsächliche finanzielle Nachteil, der durch Erwerbsunterbrechungen oder reduzierte Arbeitszeiten entsteht, lässt sich damit nur teilweise ausgleichen. Für viele Betroffene bedeutet das: Trotz jahrzehntelanger familiärer Verantwortung fällt die spätere Rente deutlich niedriger aus.

    Für jedes Kind werden derzeit bis zu drei Jahre Kindererziehungszeit angerechnet. Diese Zeiten gelten rentenrechtlich als Pflichtbeitragszeiten und werden so bewertet, als hätte die erziehende Person in dieser Zeit ein durchschnittliches Einkommen erzielt. Dadurch entstehen zusätzliche Rentenpunkte, die den Rentenanspruch grundsätzlich erhöhen. Diese pauschale Bewertung blendet jedoch individuelle Lebens- und Erwerbsverläufe vollständig aus.

    Genau hier liegt das Kernproblem. Wer vor der Geburt eines Kindes überdurchschnittlich verdient hat, verliert durch die Unterbrechung der Erwerbstätigkeit häufig deutlich höhere Rentenansprüche, als durch die Kindererziehungszeiten ausgeglichen werden können. Besonders spürbar ist dies bei längeren Auszeiten oder bei dauerhaftem Wechsel in Teilzeitbeschäftigung. Zwar verhindern Kindererziehungszeiten Lücken im Versicherungskonto, sie ersetzen jedoch keinen realen Verdienstausfall.

    Hinzu kommen langfristige Karriereeffekte. Geringere Aufstiegschancen, niedrigere Gehälter und reduzierte Arbeitszeiten wirken sich über viele Jahre negativ auf die Rentenbiografie aus. Diese finanziellen Nachteile summieren sich im Laufe des Erwerbslebens und lassen sich durch die heutige Ausgestaltung der Kindererziehungszeiten nicht kompensieren.

    Verschärft wird die Situation durch die weiterhin ungleiche Verteilung der Sorgearbeit. Noch immer übernehmen überwiegend Frauen den Hauptteil der Kindererziehung. Obwohl die rentenrechtlichen Regelungen formal geschlechtsneutral sind, treffen ihre Folgen Frauen deutlich häufiger. Altersarmut ist deshalb überdurchschnittlich weiblich – insbesondere bei Alleinerziehenden oder Müttern mehrerer Kinder.

    So bleibt aus sozialpolitischer Sicht eine klare Schieflage bestehen: Kindererziehung wird anerkannt, aber nicht angemessen bewertet. Eine echte Entlastung würde voraussetzen, dass Erziehungszeiten stärker am vorherigen Einkommen orientiert oder durch zusätzliche Ausgleichsmechanismen ergänzt werden. Solange dies nicht geschieht, bleibt die Anerkennung von Kindererziehungszeiten ein wichtiges, aber unvollständiges Instrument – mit spürbaren Folgen für die Altersversorgung vieler Familien.

    www.renten-experte.de

    #Rente
    #Kindererziehungszeiten
    #Altersvorsorge
    #Gleichstellung
    #Familienpolitik