Kategorie: Berücksichtigungszeit

  • Zwillinge – gleicher Geburtstag, gleiches Leben? Warum wenige hundert Euro Nebenverdienst später über zehntausende Euro Rente entscheiden können

    Zwillinge – gleicher Geburtstag, gleiches Leben? Warum wenige hundert Euro Nebenverdienst später über zehntausende Euro Rente entscheiden können

    17. Mai 2026

    Ein Beitrag von

    Werner Hoffmann – Rentenberater (RDG) – www.Renten-Experte.de

    Susi und Christine sind Zwillingsschwestern. Beide wurden am gleichen Tag geboren, arbeiteten viele Jahre sozialversicherungspflichtig und bekamen jeweils ein Kind.

    Eigentlich verlief ihr Leben nahezu identisch.

    Doch Jahrzehnte später zeigte sich bei einer Rentenberatung: Christine konnte zwei Jahre früher abschlagsfrei in Rente gehen – Susi nicht.

    Der Unterschied: Christine arbeitete während der Kinder-Berücksichtigungszeit nicht.

    Susi dagegen war nebenbei selbstständig tätig: bei DVAG, OVB, Herbalife, Tupperware, Amway und Vorwerk.

    Teilweise verdiente sie nur 300 bis 600 Euro monatlich.

    „Das bisschen Nebenverdienst wird doch keine Rolle spielen“, dachte sie damals.

    Doch genau darin lag später das Problem.

    Berücksichtigungszeiten wegen Kindererziehung können nach § 57 SGB VI bis zum 10. Lebensjahr des Kindes entstehen. Diese Zeiten können später für die wichtige Wartezeit von 45 Jahren mitzählen.

    Wer die 45 Jahre erfüllt, kann häufig die Altersrente für besonders langjährig Versicherte ohne Abschläge erhalten.

    Gefährlich wird es, wenn während dieser Zeit umfangreichere selbstständige Tätigkeiten ausgeübt werden.

    Dabei ist nicht allein der Gewinn entscheidend. Wichtiger sind oft zeitlicher Aufwand, Organisation, Kundenbetreuung, Schulungen, Vertriebsstrukturen und Dauer der Tätigkeit.

    Gerade Strukturvertriebe wirken auf die Deutsche Rentenversicherung häufig wie vollwertige Erwerbstätigkeiten – selbst wenn nur geringe Gewinne erzielt wurden.

    Christine erreichte durch die anerkannten Berücksichtigungszeiten die 45 Versicherungsjahre.

    Folge: Sie konnte zwei Jahre früher ohne Abschläge in Rente gehen.

    Susi verlor dagegen durch problematische Zeiten einen Teil der anrechenbaren Berücksichtigungszeiten. Dadurch fehlten Monate zur 45-jährigen Wartezeit.

    Die Folge: entweder spätere Regelaltersrente oder vorgezogene Altersrente mit lebenslangen Abschlägen.

    Beispiel:
    Monatsrente 1400 Euro.

    Bei zwei Jahren späterem Rentenbeginn:

    24 Monate × 1400 Euro = 33600 Euro weniger Rentenzahlung.

    Hinzu kommen mögliche lebenslange Abschläge von über 7 %.

    Ein kleiner Nebenverdienst kann damit später massive Auswirkungen auf die Altersrente haben.

    Deshalb sollten Zeiten der Kindererziehung und selbstständige Nebentätigkeiten frühzeitig rentenrechtlich geprüft werden. Oft entscheiden wenige Monate später über viele tausend Euro Rente.

    Unabhängiger Rentenberater Werner Hoffmann.

    #Rente #Kindererziehung #45Jahre #Berücksichtigungszeit #Rentenberatung

  • Kindererziehungszeit beim Vater statt bei der Mutter? Wann sich das lohnen kann – und wann nicht

    Kindererziehungszeit beim Vater statt bei der Mutter? Wann sich das lohnen kann – und wann nicht

    Ein Beitrag von

    Werner Hoffmann.

    Viele Familien gehen automatisch davon aus, dass Kindererziehungszeiten immer bei der Mutter gespeichert werden. In der Praxis ist es tatsächlich häufig so: In den Versicherungsverläufen der Deutschen Rentenversicherung ist zunächst nur die Mutterschutzzeit eingetragen.

    Doch später stellt sich oft eine wichtige Frage: Sollte die Kindererziehungszeit eventuell beim Vater berücksichtigt werden?

    Gerade dann, wenn der Mann älter ist als die Frau oder deutlich weniger verdient, kann eine andere Zuordnung sinnvoll sein. Allerdings muss man dabei mehrere Punkte genau prüfen.

    Bedeutung für die Wartezeit von 35 und 45 Jahren

    Kindererziehungszeiten sind nicht nur wegen zusätzlicher Entgeltpunkte wichtig. Sie zählen auch zur Erfüllung der Wartezeiten.

    Entscheidend sind insbesondere:

    • 35 Jahre Wartezeit, Voraussetzung für die Altersrente für langjährig Versicherte,
    • 45 Jahre Wartezeit, Voraussetzung für die abschlagsfreie Rente für besonders langjährig Versicherte.

    Die Kindererziehungszeit (die ersten drei Jahre pro Kind) zählt vollständig zu beiden Wartezeiten. Fehlen dem Vater noch Jahre zur Erfüllung dieser Voraussetzungen, kann es sinnvoll sein, dass diese Zeit bei ihm angerechnet wird.

    Was passiert bei hohem Einkommen?

    Kindererziehungszeiten werden rentenrechtlich so bewertet, als hätte die erziehende Person ein durchschnittliches Einkommen erzielt, etwa einen Entgeltpunkt pro Jahr.

    Verdient der Vater jedoch bereits:

    • über der Beitragsbemessungsgrenze,
    • oder nahe an der Beitragsbemessungsgrenze,

    führt die Kindererziehungszeit häufig nicht zu zusätzlichen Entgeltpunkten, weil die Bewertung durch die Beitragsbemessungsgrenze begrenzt wird.

    Verdient der Vater dagegen deutlich weniger, kann die Kindererziehungszeit seine spätere Rente erhöhen.

    Berücksichtigungszeiten bis zum 10. Lebensjahr

    Neben der Kindererziehungszeit gibt es auch Berücksichtigungszeiten wegen Kindererziehung. Diese laufen bis zum 10. Geburtstag des Kindes.

    Sie bringen zwar keine direkten Entgeltpunkte, können aber:

    • bei der 35-jährigen Wartezeit zählen,
    • bestimmte Rentenbewertungen verbessern,
    • bei niedrigen Einkommen indirekt positive Effekte haben.

    Auswirkungen auf eine spätere Witwenrente

    Ist der Ehemann deutlich älter, sollte noch ein weiterer Punkt bedacht werden. Erhöhen Kindererziehungszeiten die eigene Rente der Ehefrau, kann diese später bei einer Witwenrente auf den Freibetrag angerechnet werden.

    Übersteigt das eigene Einkommen den Freibetrag, wird die Witwenrente teilweise gekürzt.

    Rechtsgrundlagen hierfür sind insbesondere § 97 SGB VI (Einkommensanrechnung bei Renten wegen Todes), in Verbindung mit § 18a SGB IV (Definition des Einkommens).

    Warum eine unabhängige Rentenberatung sinnvoll sein kann

    Die optimale Zuordnung der Kindererziehungszeiten ist oft komplex. Ein unabhängiger Rentenberater nach dem Rechtsdienstleistungsgesetz (RDG) kann verschiedene Rentenszenarien berechnen und die wirtschaftlich sinnvollste Lösung aufzeigen.

    Werner Hoffmann
    – Unabhängiger Rentenberater – www.Renten-Experte.de

    Die Kosten einer solchen Beratung können in vielen Fällen steuerlich geltend gemacht werden, häufig als Werbungskosten im Zusammenhang mit späteren Renteneinkünften.

    Resümee

    Ob Kindererziehungszeiten bei der Mutter oder beim Vater eingetragen werden sollten, hängt von mehreren Faktoren ab: Einkommen, Alter der Ehepartner, fehlende Wartezeiten sowie mögliche Auswirkungen auf eine spätere Witwenrente.

    Gerade deshalb lohnt sich eine individuelle Prüfung, denn eine falsche Entscheidung kann später mehrere tausend Euro Rentenunterschied bedeuten.

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