Monat: März 2026

  • Teil 4. – Krankengeld, Wohngeld und der entscheidende nächste Schritt

    Teil 4. – Krankengeld, Wohngeld und der entscheidende nächste Schritt

    Ein Beitrag von

    Werner Hoffmann – unabhängiger Rentenberater – www.Renten-Experte.de

    Der Rentenberater erklärte Susi zunächst, dass man ihre Situation sorgfältig planen müsse. Mehrere Sozialleistungen greifen ineinander, und der Zeitpunkt einzelner Schritte kann entscheidend sein.

    *

    Einige Wochen später verschlechterten sich Susis Beschwerden erneut. Die Schmerzen in den Knien nahmen wieder zu, und längere Wege wurden immer schwieriger.

    Ihr Arzt entschied deshalb, sie zunächst krankzuschreiben.

    Für Susi änderte sich dadurch zunächst wenig. In den ersten sechs Wochen der Arbeitsunfähigkeit wurde weiterhin Arbeitslosengeld I gezahlt.

    Doch danach änderte sich die Situation.

    Ab der siebten Woche übernahm ihre Krankenkasse die Zahlung – sie erhielt nun Krankengeld.

    Das Krankengeld beträgt in der Regel:

    • etwa 70 % des letzten Bruttoeinkommens,
    • höchstens 90 % des letzten Nettoeinkommens.

    Damit lag ihr Einkommen zwar etwas niedriger als vorher, aber es verschaffte ihr zunächst weiterhin eine gewisse finanzielle Sicherheit.

    Das Krankengeld war in ihrem Fall sogar etwas höher als das vorherige Arbeitslosengeld I. Gleichzeitig kam ein Wechsel in das Bürgergeldsystem zunächst nicht in Betracht, da sie weiterhin Krankengeld bezog.

    **

    Parallel dazu stellte sie – auf Empfehlung des Rentenberaters – einen Antrag auf Wohngeld.

    An diese Möglichkeit hatte Susi vorher überhaupt nicht gedacht.

    Der Hintergrund ist einfach: Weder Arbeitslosengeld I noch Krankengeld enthalten einen direkten Anteil für die Wohnkosten. Deshalb kann unter bestimmten Voraussetzungen ein Anspruch auf Wohngeld bestehen.

    Für Susi bedeutete das:

    Ein Teil ihrer Mietkosten konnte über das Wohngeld abgefedert werden.

    Einige Zeit später meldete sich schließlich die Krankenkasse bei ihr.

    Wie in solchen Fällen üblich, wurde sie zu einer Untersuchung beim Medizinischen Dienst eingeladen. Dort sollte geprüft werden, wie ihre gesundheitliche Situation tatsächlich einzuschätzen ist.

    ***

    Der Arzt des Medizinischen Dienstes sah sich ihre Unterlagen genau an – die Operationen, die Knieprothesen und die bisherigen medizinischen Berichte.

    Seine Einschätzung war relativ klar:

    Eine Rehabilitation könnte noch einmal sinnvoll sein.

    Daraufhin erhielt Susi von ihrer Krankenkasse eine schriftliche Aufforderung, einen Reha-Antrag zu stellen.

    Für diesen Antrag gibt es eine gesetzliche Frist.

    Sie beträgt in der Regel zehn Wochen.

    Susi stellte den Antrag fristgerecht.

    Wenige Monate später begann schließlich ihre Rehabilitation.

    Und genau dort sollte sich später entscheiden, wie es für sie wirklich weitergeht.

    Fortsetzung Teil 5

    Zur Vorgeschichte

    Teil 1

    Teil 2

    Teil 3

    #Krankengeld
    #Wohngeld
    #Rehabilitation
    #Sozialrecht
    #Rentenberatung

    Ki-generierte Bilder

    *Gespräch mit dem Rentenberater im Büro, Unterlagen auf dem Tisch]

    **Rentenberater erklärt Unterlagen/Sozialleistungen, Fokus auf Dokumente]

    ***Susi am Küchentisch mit Unterlagen, nachdenklich

  • Teil 3. – Drei Monate vor Bürgergeld und eine neue Perspektive

    Teil 3. – Drei Monate vor Bürgergeld und eine neue Perspektive

    Ein Beitrag von

    Werner Hoffmann – unabhängiger Rentenberater – www.Renten-Experte.de

    Als Susi Müller nur noch drei Monate Anspruch auf Arbeitslosengeld I hatte, wurde sie langsam unruhig.

    Die Zeit war schneller vergangen, als sie gedacht hatte. Zwei JahreArbeitslosengeld waren plötzlich fast vorbei – und eine neue Arbeitsstelle war nicht in Sicht.

    Ihre gesundheitlichen Einschränkungen machten vieles schwierig. Langes Stehen, schweres Heben oder dauerhaftes Gehen waren mit zwei künstlichen Kniegelenken kaum noch möglich.

    *

    Auch bei der Arbeitsagentur wusste man, dass ihre Vermittlungschancen sehr begrenzt waren.

    Susi begann deshalb zu überlegen, wie es weitergehen könnte.

    Der nächste Schritt wäre klar gewesen:

    Nach dem Ende des Arbeitslosengeldes hätte sie Bürgergeld beim Jobcenter beantragen müssen.

    Doch genau diese Vorstellung gefiel ihr überhaupt nicht.

    Sie hatte viele Jahre gearbeitet und wollte möglichst vermeiden, komplett in das Bürgergeldsystem zu rutschen.

    In dieser Phase erzählte ihr eine Bekannte von einer Möglichkeit, über die Susi bislang noch gar nicht nachgedacht hatte.

    „Warum gehst du nicht einmal zu einem Rentenberater?“

    Susi war zunächst überrascht. An eine solche Beratung hatte sie bislang überhaupt nicht gedacht.

    Ein paar Tage später saß sie tatsächlich in einem Beratungsbüro und erzählte ihre ganze Geschichte:

    • die Operationen,
    • die beiden Knieprothesen,
    • den abgelehnten Antrag auf Erwerbsminderungsrente,
    • und den nur mit 30 % festgestellten Grad der Behinderung.
    **

    Der Rentenberater hörte aufmerksam zu und stellte viele Fragen.

    Dann sagte er einen Satz, der Susi noch lange im Gedächtnis bleiben sollte:

    „Ihr Fall besteht nicht nur aus einem Rentenantrag. Hier greifen mehrere Sozialleistungen ineinander.“

    Er erklärte ihr, dass man ihre Situation nicht nur aus der Perspektive eines einzelnen Antrags betrachten darf.

    Denn verschiedene Bereiche greifen ineinander:

    • Arbeitslosengeld,
    • Krankengeld,
    • Wohngeld,
    • Rehabilitation,
    • Erwerbsminderungsrente,
    • und das Schwerbehindertenrecht.
    ***

    Susi schaute ihn erstaunt an.

    An Wohngeld hatte sie zum Beispiel noch nie gedacht.

    Der Rentenberater erklärte ihr, dass viele Menschen gar nicht wissen, dass sie darauf Anspruch haben können – selbst wenn sie Arbeitslosengeld beziehen.

    Für Susi begann in diesem Moment ein ganz neuer Blick auf ihre Situation.

    Plötzlich ging es nicht mehr nur um einen Antrag.

    Es ging um eine Strategie.

    Es ging um eine Strategie, die sie alleine niemals in die richtige Reihenfolge hätte bringen können – zumindest nicht so, wie es in ihrer persönlichen Situation sinnvoll gewesen wäre. Ein falscher Schritt, und die ganze Konstruktion gerät ins Wanken.

    Fortsetzung Teil 4

    Teil 1 dieser Geschichte

    Teil 2 dieser Geschichte

    #Rentenberatung
    #Sozialrecht
    #Erwerbsminderungsrente
    #Wohngeld
    #Strategie

    Ki-generierte Bilder:

    *Gespräch mit Rentenberater im Büro, Unterlagen auf dem Tisch

    **Rentenberater erklärt Dokumente, Fokus auf Unterlagen und Gespräch

    *** Susi zu Hause mit Unterlagen am Küchentisch, nachdenklich

  • Teil 2. – Zwei Jahre Arbeitslosengeld und eine offene Zukunft

    Teil 2. – Zwei Jahre Arbeitslosengeld und eine offene Zukunft

    Ein Beitrag von

    Werner Hoffmann – unabhängiger Rentenberater – www.Renten-Experte.de

    Die Zeit verging schneller, als Susi gedacht hatte.

    Monat für Monat erhielt sie ihr Arbeitslosengeld I von der Bundesagentur für Arbeit.

    Natürlich versuchte sie, wieder Arbeit zu finden. Doch mit zwei künstlichen Kniegelenken war es schwierig, einen Beruf zu finden, der gesundheitlich überhaupt noch möglich gewesen wäre.

    *

    Viele Tätigkeiten erfordern:

    • langes Stehen,
    • häufiges Gehen,
    • oder schweres Heben.

    Alles Dinge, die ihre Knie kaum noch zuließen.

    Auch die Arbeitsagentur wusste, dass ihre Vermittlungschancen gering waren.

    **

    Trotzdem lief das Arbeitslosengeld zunächst weiter.

    Doch irgendwann begann Susi zu rechnen.

    Die zwei Jahre Arbeitslosengeld würden bald enden.

    Und danach?

    Die Antwort war klar:

    Dann hätte sie Bürgergeld über das Jobcenter beantragen müssen.

    Darauf hatte sie ehrlich gesagt wenig Lust.

    Sie wollte vor allem eines:

    nicht komplett in das Bürgergeldsystem rutschen.

    ***

    Doch genau in dieser Phase – drei Monate vor dem Ende ihres Arbeitslosengeldes – traf sie eine Entscheidung, die später noch wichtig werden sollte.

    Sie vereinbarte einen Termin bei einem Rentenberater.

    Fortsetzung Teil 3

    Was zuvor gewesen ist:

    #Arbeitslosengeld
    #Sozialversicherung
    #Gesundheit
    #Arbeitsmarkt
    #Lebensrealität

    Ki-generierte Bilder:

    *Susi zu Hause mit Unterlagen und Laptop, nachdenklich über ihre berufliche Zukunft

    **Wartesituation bei einer Arbeitsagentur / Jobcenter mit Unterlagen in der Hand

    *** Susi vorsichtig gehend mit Knieproblemen auf einer Straße

  • Teil 1. – Zwei kaputte Knie und der Beginn einer langen Geschichte

    Teil 1. – Zwei kaputte Knie und der Beginn einer langen Geschichte

    Ein Beitrag von

    Werner Hoffmann – unabhängiger Rentenberater – www.Renten-Experte.de

    Die nachfolgende Geschichte in vier Teilen soll deutlich machen, warum ein Rentenberater für seine Tätigkeit ein sehr umfangreiches Wissen benötigt. Zwar wird ein Rentenberater in der Regel durch ein Honorar des Mandanten bezahlt, doch das folgende Beispiel zeigt, dass sich eine solche Beratung für Versicherte durchaus lohnen kann.

    Rentenantragsstellen – beispielsweise bei Gemeinden oder direkt bei der Deutschen Rentenversicherung – dürfen oder können häufig nicht diese umfassende Beratung leisten. Sie nehmen in erster Linie Anträge auf und geben allgemeine Auskünfte. Eine strategische Betrachtung der gesamten Situation eines Versicherten gehört meist nicht zu ihren Aufgaben.

    Die Geschichte zeigt außerdem, welche Möglichkeiten sich ergeben können, wenn man die sozialrechtlichen Zusammenhänge kennt – und wenn man einen guten Berater an seiner Seite hat.

    Nicht jeder Fall ist gleich. Deshalb muss man genau darauf achten, was man wann und wie beantragt. Schnell kann man einen strategischen Fehler machen, wenn man alles alleine versucht – und hat später möglicherweise die Konsequenzen dafür zu tragen.

    Nachfolgend eine Geschichte, so wie sie im Leben auch immer wieder vorkommt. Ob diese Geschichte tatsächlich genau so passiert ist, fällt unter den Datenschutz. Deshalb sind Namen und einige Angaben verändert.

    *

    Susi Müller (Name geändert, geb. 23.12.1964) arbeitete viele Jahre als Verkäuferin. Sie mochte den Kontakt zu den Menschen, kannte ihre Stammkunden und wusste genau, wer morgens das Körnerbrötchen wollte und wer lieber den kräftigen Käse.

    Doch irgendwann machten ihre beiden Knie nicht mehr mit. Erst begannen die Schmerzen beim langen Stehen. Dann folgten mehrere Operationen. Schließlich bekam sie sogar Prothesen in beiden Kniegelenken.

    **

    Der Arzt sagte irgendwann nüchtern:

    „Frau Müller, laufen können Sie noch – aber acht Stunden stehen im Verkauf wird schwierig.“

    Susi musste ihren Beruf aufgeben. Also stellte sie einen Antrag auf Erwerbsminderungsrente bei der Deutschen Rentenversicherung.

    Der Bescheid kam später per Post. Der Antrag wurde abgelehnt.

    Auch ihr Antrag auf Schwerbehinderung brachte nicht den erhofften Erfolg. Das Versorgungsamt erkannte lediglich 30 % Grad der Behinderung an, obwohl sie mehrere unterschiedlichste Krankheiten hatte, die eigentlich zu 50 % geführt haben müssten.

    Susi kommentierte das trocken:

    „Mit zwei kaputten Knien hätte ich ehrlich gesagt mit etwas mehr gerechnet.“

    Da sie ihre Tätigkeit nicht mehr ausüben konnte, meldete sie sich bei der Bundesagentur für Arbeit arbeitslos.

    Sie erhielt Arbeitslosengeld I – und zwar wegen ihres Alters sogar für zwei Jahre.

    Damals dachte sie noch:

    „Bis dahin wird sich schon irgendeine Lösung finden.“

    Fortsetzung Teil 2:

    Teil 3

    #Rentenberatung
    #Erwerbsminderungsrente
    #Sozialrecht
    #Knieprothese
    #Lebensgeschichte

    *Susi als Verkäuferin im Supermarkt, Knieprobleme

    **Arztgespräch / Orthopädie / Knieprothese

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  • Unabhängiger Rentenberater (RDG) – Versicherungsältester – Rentenantrag bei der Gemeinde: Wo liegen die Unterschiede?

    Unabhängiger Rentenberater (RDG) – Versicherungsältester – Rentenantrag bei der Gemeinde: Wo liegen die Unterschiede?

    Ein Beitrag von

    Werner Hoffmann – unabhängiger Rentenberater (RDG) ,

    www.Renten-Experte.de

    ——

    Wer sich mit seiner gesetzlichen Rente beschäftigt, stößt schnell auf verschiedene Anlaufstellen. Häufig genannt werden der unabhängige Rentenberater, der Versicherungsälteste der Deutschen Rentenversicherung oder die Rentenantragstelle bei der Gemeinde beziehungsweise im Rathaus. Viele Menschen glauben, dass alle drei dasselbe leisten. Tatsächlich gibt es jedoch wichtige Unterschiede.

    *

    Der unabhängige Rentenberater (nach dem Rechtsdienstleistungsgesetz – RDG)

    Ein Rentenberater ist ein nach dem Rechtsdienstleistungsgesetz registrierter, unabhängiger Berater für Rentenrecht – je nach Registrierung auch für betriebliche Altersversorgung – und darf Rechtsberatung im Sozialversicherungsrecht erbringen. Dazu kann auch Unterstützung bei sozialrechtlichen Ansprüchen gehören, etwa bei Pflegeleistungen oder Leistungen der Grundsicherung.

    Der Rentenberater prüft nicht nur Formulare, sondern analysiert die gesamte Rentensituation. Dazu gehören zum Beispiel:

    • Prüfung des Versicherungsverlaufs,
    • strategische Beratung zur optimalen Rentenentscheidung,
    • Bewertung von Kindererziehungs-, Ausbildungs- oder Pflegezeiten,
    • Berechnung der wirtschaftlich günstigsten Rentenvariante,
    • Vertretung gegenüber der Deutschen Rentenversicherung.

    Ein Rentenberater arbeitet unabhängig von der Rentenversicherung und vertritt ausschließlich die Interessen seiner Mandanten.

    Versicherungsälteste der Deutschen Rentenversicherung

    Versicherungsälteste sind ehrenamtliche Helfer der Deutschen Rentenversicherung. Sie unterstützen Versicherte vor allem organisatorisch.

    **

    Typische Aufgaben sind:

    • Hilfe beim Ausfüllen von Rentenanträgen,
    • Weiterleitung von Unterlagen an die Rentenversicherung,
    • allgemeine Auskünfte zum Ablauf des Verfahrens.

    Eine unabhängige Rechtsberatung oder strategische Rentenplanung gehört jedoch nicht zu ihren Aufgaben.

    Rentenantragstellung bei der Gemeinde oder im Rathaus

    Auch viele Städte und Gemeinden helfen bei der Rentenantragstellung. Mitarbeiter nehmen die Daten auf und leiten den Antrag an die Deutsche Rentenversicherung weiter. Diese Unterstützung ist in der Regel auf die Antragstellung beschränkt.

    ***

    Kosten – ein wichtiger Unterschied

    Versicherungsälteste und kommunale Stellen helfen kostenlos bei der Antragstellung. Ein unabhängiger Rentenberater arbeitet dagegen gegen Honorar.

    Diese Kosten können sich jedoch häufig lohnen. Ein Rentenberater kann zum Beispiel prüfen, ob bestimmte Unterlagen überhaupt eingereicht werden sollten oder ob sie die spätere Rente sogar reduzieren könnten. Auch bei komplexeren Themen – etwa betrieblicher Altersversorgung oder der späteren Höhe einer Witwenrente – kann eine fachkundige Prüfung sinnvoll sein.

    ****

    Resümee

    Gemeinde und Versicherungsälteste helfen vor allem beim Ausfüllen des Rentenantrags. Der unabhängige Rentenberater hilft dagegen bei der Entscheidung, welche Schritte für die eigene Rentensituation tatsächlich sinnvoll sind.

    #Rentenberatung #Rentenberater #Rente #DeutscheRentenversicherung #Altersvorsorge

    Ki-generierte Fotos

    *Unabhängiger Rentenberater (RDG) – Beratung und strategische Prüfung der Rentensituation.

    **Versicherungsältester – Unterstützung beim Ausfüllen und Weiterleiten von Rentenanträgen.

    ***Gemeinde oder Rathaus – Unterstützung bei der Aufnahme des Rentenantrags.

    ****Drei Wege zur Rentenberatung – Antragshilfe oder strategische Beratung.

  • Kindererziehungszeit beim Vater statt bei der Mutter? Wann sich das lohnen kann – und wann nicht

    Kindererziehungszeit beim Vater statt bei der Mutter? Wann sich das lohnen kann – und wann nicht

    Ein Beitrag von

    Werner Hoffmann.

    Viele Familien gehen automatisch davon aus, dass Kindererziehungszeiten immer bei der Mutter gespeichert werden. In der Praxis ist es tatsächlich häufig so: In den Versicherungsverläufen der Deutschen Rentenversicherung ist zunächst nur die Mutterschutzzeit eingetragen.

    Doch später stellt sich oft eine wichtige Frage: Sollte die Kindererziehungszeit eventuell beim Vater berücksichtigt werden?

    Gerade dann, wenn der Mann älter ist als die Frau oder deutlich weniger verdient, kann eine andere Zuordnung sinnvoll sein. Allerdings muss man dabei mehrere Punkte genau prüfen.

    Bedeutung für die Wartezeit von 35 und 45 Jahren

    Kindererziehungszeiten sind nicht nur wegen zusätzlicher Entgeltpunkte wichtig. Sie zählen auch zur Erfüllung der Wartezeiten.

    Entscheidend sind insbesondere:

    • 35 Jahre Wartezeit, Voraussetzung für die Altersrente für langjährig Versicherte,
    • 45 Jahre Wartezeit, Voraussetzung für die abschlagsfreie Rente für besonders langjährig Versicherte.

    Die Kindererziehungszeit (die ersten drei Jahre pro Kind) zählt vollständig zu beiden Wartezeiten. Fehlen dem Vater noch Jahre zur Erfüllung dieser Voraussetzungen, kann es sinnvoll sein, dass diese Zeit bei ihm angerechnet wird.

    Was passiert bei hohem Einkommen?

    Kindererziehungszeiten werden rentenrechtlich so bewertet, als hätte die erziehende Person ein durchschnittliches Einkommen erzielt, etwa einen Entgeltpunkt pro Jahr.

    Verdient der Vater jedoch bereits:

    • über der Beitragsbemessungsgrenze,
    • oder nahe an der Beitragsbemessungsgrenze,

    führt die Kindererziehungszeit häufig nicht zu zusätzlichen Entgeltpunkten, weil die Bewertung durch die Beitragsbemessungsgrenze begrenzt wird.

    Verdient der Vater dagegen deutlich weniger, kann die Kindererziehungszeit seine spätere Rente erhöhen.

    Berücksichtigungszeiten bis zum 10. Lebensjahr

    Neben der Kindererziehungszeit gibt es auch Berücksichtigungszeiten wegen Kindererziehung. Diese laufen bis zum 10. Geburtstag des Kindes.

    Sie bringen zwar keine direkten Entgeltpunkte, können aber:

    • bei der 35-jährigen Wartezeit zählen,
    • bestimmte Rentenbewertungen verbessern,
    • bei niedrigen Einkommen indirekt positive Effekte haben.

    Auswirkungen auf eine spätere Witwenrente

    Ist der Ehemann deutlich älter, sollte noch ein weiterer Punkt bedacht werden. Erhöhen Kindererziehungszeiten die eigene Rente der Ehefrau, kann diese später bei einer Witwenrente auf den Freibetrag angerechnet werden.

    Übersteigt das eigene Einkommen den Freibetrag, wird die Witwenrente teilweise gekürzt.

    Rechtsgrundlagen hierfür sind insbesondere § 97 SGB VI (Einkommensanrechnung bei Renten wegen Todes), in Verbindung mit § 18a SGB IV (Definition des Einkommens).

    Warum eine unabhängige Rentenberatung sinnvoll sein kann

    Die optimale Zuordnung der Kindererziehungszeiten ist oft komplex. Ein unabhängiger Rentenberater nach dem Rechtsdienstleistungsgesetz (RDG) kann verschiedene Rentenszenarien berechnen und die wirtschaftlich sinnvollste Lösung aufzeigen.

    Werner Hoffmann
    – Unabhängiger Rentenberater – www.Renten-Experte.de

    Die Kosten einer solchen Beratung können in vielen Fällen steuerlich geltend gemacht werden, häufig als Werbungskosten im Zusammenhang mit späteren Renteneinkünften.

    Resümee

    Ob Kindererziehungszeiten bei der Mutter oder beim Vater eingetragen werden sollten, hängt von mehreren Faktoren ab: Einkommen, Alter der Ehepartner, fehlende Wartezeiten sowie mögliche Auswirkungen auf eine spätere Witwenrente.

    Gerade deshalb lohnt sich eine individuelle Prüfung, denn eine falsche Entscheidung kann später mehrere tausend Euro Rentenunterschied bedeuten.

    #Rente #Kindererziehungszeit #Rentenberatung #DeutscheRentenversicherung #Altersrente